Chancen & Risiken?


2014 war scheinbar das Jahr der Challenges. Eigentlich sind diese in ihren Ursprüngen oftmals harmlos und auch positiven Sinnes. Doch durch Eigendynamiken und Gegner hat bisher jede dieser Challenges einen bitteren Beigeschmack bekommen.

 

Biernominierung und Firechallenge stießen recht schnell an ihre ethischen Grenzen, die Cold Water Challenge hinterließ sogar Todesopfer. Auch das Planking forderte Todesopfer.  Möglichst spektakulär und riskant sollen die Orte sein, bei denen viele Wagemutige plankten. Wagemut und Kreativität verlangten leider jüngst einige Opfer.


Foto: Ice-Bucket-Challenge.
Foto: Ice-Bucket-Challenge.

Vom Internet-Hype zum Charitè-Hype. Fluch & Segen: Ein Hype und seine Nachahmer!

 

Das Netz kollabierte im Sommer 2014 fast vor Kälte - Grund war die Ice-Bucket-Challenge. Eine Aktion, die sich über das Internet weltweit und rasend schnell durch die gängigen Social-Media-Kanäle, zum Internet-Hype entwickelte. Mit der aufmerksamkeitsstarken Aktion sollten weltweit Spendengelder für die Forschung zur Heilung von ALS (Amyotrophe Lateralsklerose, eine degenerative Nervenerkrankung, die zu Lähmungen und schließlich zum Tod führt) gesammelt werden. Gestartet wurde die Aktion in den USA, wo sie sich über Ländergrenzen hinweg schnell verbreitet. Die Regeln dabei waren sehr simpel: Nominierte übergossen sich mit eiskaltem Wasser und stellten ihre Kübelvidoes ins Netz. Zusätzlich wurde an ALS Association gespendet und 3 weitere Personen nominiert. Schneeballartig verbreitete sich die Hilfe-Aktion. Genau hier liegt die große Chance: Social-Media-Kampagnen haben schon etliche Themen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. Die Ice-Bucket Challenge stellt in ihrer Wirkung jedoch alles bislang Dagewesene in den Schatten. Die große Anteilnahme sorgte dafür, dass die ALS Organisationen weltweit von einer Vervielfachung des Spendenaufkommens berichteten. Wenn die ALS Ice Bucket Challenge eines eindrucksvoll demonstriert hat, dann ist dies die Massendynamik, die Internet-Hypes in Zeiten von Social Media entwickeln können.

 

Da verwundert es kaum, dass nach dem Abklingen des Hypes bereits die nächsten Challenges ins Leben gerufen wurden, die sich wohltätigen Zwecken verschrieben. So machte kurz darauf etwa die sogenannte Camel Toe Challenge von sich reden, die Frauen dazu aufrief, Fotos der Abzeichnung ihrer Geschlechtsteile in zu engen Hosen zu posten, um damit auf Gebärmutterhalskrebs aufmerksam zu machen. Da die Sinnhaftigkeit dieser Aktion sich jedoch weit weniger Menschen erschloss als deren offensichtliche Geschmacklosigkeit, fristete sie nur ein Nischendasein und verschwand schließlich in der Versenkung. Ähnlich erging es auch dem männlichen Pendant, der Feeling Nuts Challenge, bei der Männer sich demonstrativ in den Schritt fassen und so auf Hodenkrebs hinweisen sollten.

 

Auch politischer Aktivismus findet zunehmend Einzug in den Memes. Ron Paul, republikanischer Politiker in den USA, erfreute sich beispielsweise im Netz enormer Popularität, was sicher mit seiner generell liberalen Haltung zu Sexualität und der Legalisierung von Marihuana zu tun haben dürfte. Es tauchte ein Ron Paul-Meme auf, das ihn in durchwegs positivem Licht zeichnete.

Foto: Ron Paul Meme.
Foto: Ron Paul Meme.
Foto: Rick Santorum Meme.
Foto: Rick Santorum Meme.

Aufmerksamkeit, Aufklärung und Hilfe sind die Stichwörter, wenn es um die Chancen bei Internet-Hypes geht. Gerade im politischen Kontext können Memes, sofern sie nicht spöttisch sind, eine digitale Unterstützung sein.

So wie bei jeder großen Aktion, gibt es aber auch hier Kritiken. Sehr früh wurde angemerkt, dass viele Teilnehmer der Ice-Bucket-Challenge unlängst vergessen haben, warum sie sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf kübeln. Kritiker bemängeln, dass die Aussage und Intention gar nicht mehr weitergegeben wird, sondern ein reines Fun-Event einer Spaßgesellschaft entstanden ist. Schnell verschwindet der löbliche Gedanke dieser Aktion hinter Selbstinszenierung und Aufmerksamkeitsdrang.

 

Nicht jeder Spaß, der sich viral im Internet verbreitet, ist tatsächlich nur ein Spaß. Was für die einen humoristisch ist, kann für manch Betroffenen bittere Konsequenzen haben. So findet sich manch Politiker in Spott-Memes wieder. Digitalen Hohn und Spott erfuhren unter anderem die Erzkonservative wie Rick Santorum oder Fox News-Moderator Bill O'Reilly.


Foto: Star-Wars Kid.
Foto: Star-Wars Kid.

Dass ein Spaß auf Kosten anderer gehen kann, erfuhr auch ein kanadischer Schüler - dem Star Wars Kid. Das Star Wars Kid ist ein Webphänomen um ein Webvideo, der eine Golfballangel unrythmisch wie ein Lichtschwert führte. Nach Bekanntwerden des Videos wurde er von Mitschülern gemobbt, befand sich in psychologischer Obhut und  wechselte schließlich die Schule. Gerade die Anonymität und das schnelle Verbreiten wurden dem Jungen hier zum Verhängnis.


Weiter zu: Ausblick?
Weiter zu: Ausblick?