Entstehung von Internet-Phänomenen

Seit der Verbreitung des Internets im privaten Umfeld nahm auch die Möglichkeit zu, einzelne Informationen schnell und kostenlos zu verbreiten. Die Möglichkeit auf Inhalte blitzschnell reagieren zu können, hat die Kommunikationsstruktur stark verändert. Auf verschiedene Weise, wie Emails, Blogs, Websites, Formen des Chats oder auch des Internet-Fernsehens, können mittels Hyperlinks auf Contents aufmerksam gemacht werden. Wurden Ereignisse in Nachrichten, früher in Glossen oder Karikaturen abgehandelt oder Witze am Stammtisch weitererzählt, so schickt man sich heute gegenseitig humorige Bilder, Texte, Videos oder Audiodateien. Alles passiert heute in Minuten: Memes sind damit auch zur ‚Karikatur 2.0‘ geworden. Ein eindeutiger Ursprung dieser Internetkultur lässt sich dabei nicht festmachen. Dennoch gibt es durchaus Beispiele, die speziell mit dem Aufkommen von Youtube, der Anfangszeit der Internet-Hypes zugerechnet werden können. Ein verbreitetes Video sei der 'Sneezing Panda', ein Pandababy das lautstark niest und seine Mutter damit erschreckt.

Insofern ist anzunehmen, dass es Internet-Memes gibt, seitdem Menschen die Möglichkeit haben vernetzt miteinander zu kommunizieren. Auch die zunehmende Verfügbarkeit von digitalen Aufnahmetechniken erleichtert und vereinfacht die Erstellung von Bildern, Tonaufnahmen und Videos außerhalb des professionellen Umfelds. Ein Internet-Hype entsteht, wenn eine verrückte Idee, ein Foto oder eben ein Video ins Netz gestellt wird, sich über soziale Netzwerke massenhaft verbreitet und schließlich tausende Nachahmer findet.


Foto: Horsemanning.
Foto: Horsemanning.

Achso?! Etliche moderne Internet-Phänomene entpuppen sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so neu: Wer etwa die Mode des "Horsemanning", das Posieren für Fotos mit scheinbar abgetrenntem Kopf, immer für einen brandneuen Internettrend hielt, ist schiefgewickelt: Schon Anfang des 20. Jahrhunderts posierten Menschen für Schwarzweißfotos, auf denen sie scheinbar den eigenen Kopf in den Händen hielten. Und wer dachte, mit Satzzeichen Emoticons, auf die Seite gekippten Gesichtern, zu schreiben, sei erst in Internetchats erfunden worden, irrt ebenso. Schon um 1887 erfand ein US-Schriftsteller das erste Emoticon - auch wenn es auf viel weniger Gegenliebe traf als heutige Smileys.


Verbreitung

Exakt steuern kann man die Entstehung oder Verbreitung eines solch potentiellen Hypes allerdings nicht. Es kommt dabei nämlich stark darauf an, ob die Inhalte gut ankommen und über soziale Netzwerke massenhaft verbreitet werden. ‚Einmal viral gegangen, verselbstständigt sich ein Hype.‘ Hypes zeichnen sich daher durch eine hohe Eigendynamik aus, die unvorhersehbar ist. Analog zu der Eigendynamik des Internets ist die Bezeichnung Internet-Phänomen in diesem Zusammenhang sicher treffend. Die Eigendynamik oder auch eine Form des Schneeballprinzips oder viralen Kettenbriefs verläuft so: Man trifft im Internet auf unglaublich witzige Videos, welches man sofort bei Facebook teilt, damit man die Freunde teilhaben lässt. Die Freunde teilen es ebenfalls über soziale Netzwerke und so weiter. Ist die kritische Masse (ein Teil der Gruppe muss überzeugt werden, damit auch der restliche Teil der Gruppe folgt) dabei erreicht, wird ein Hype zum Selbstläufer. So entsteht er, der Hype. Besonders in der  Web-2.0-Ära sind diese omnipräsent, generell können Inhalte von jedem erstellt und verbreitet werden. Somit hat dieser Content Potential sich, bedingt durch die Verlinkungsstruktur des Internets und den Teilungsfunktionen des Social Web, in kürzester Zeit viral zu verbreiten. Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, wie Twitter oder Facebook es ermöglichen, hat dem Phänomen der spontanen Hypes eine perfekte Plattform geschaffen.

 

Soziale Netzwerke als Multiplikator?

Ein Hype ist also nichts planbares. Es spielen verschiedene Faktoren zusammen, dass ein Hype entsteht, sich verbreitet und anhält. Die Entstehung wird natürlich stark durch die neuen Kommunikationstechnologien mitbegründet. Soziale Medien wie Youtube, Facebook und Co. unterstützen die schnelle und weltweite Abrufbarkeit. Die Verbreitung nutzt also das Potential der Reichweite, Schnelligkeit und Durchschlagskraft der Onlinemedien. Gerade soziale Medien dienen hier zur Imitation, Variation, Vervielfältigung und Verbreitung der Running Gags im Internet. Entsprechend schnelllebig und unüberschaubar ist mittlerweile das Angebot an Memes. Diese entwickeln sich stets zur Unterhaltungsform für die breite Masse und sind damit schon ‚mainstream‘. Internet-Phänomene fristen längst kein Nischendasein mehr, auch die Werbeindustrie macht sich die virale Verbreitung von Inhalten zu nutze. So sind viele Marketingaktionen als Blog oder Youtube-Video getarnt, um von Nutzern selbst im großen Stil verbreitet zu werden (siehe hier).


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